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Gästebuch

Geldeswert

Umrechnungen von alten Preisangaben auf heutiges Geld (1975) sind immer sehr schwierig. Nicht nur der Wert des Geldes unterliegt zeitlich und örtlich ständigen Schwankungen, sondern auch die Umrechnungszahlen zwischen den einzelnen Münzsorten, also z.B. das Verhältnis von Taler und Gulden, haben immer wieder gewechselt. Feingehalt und Größe der Münzen sind oftmals geändert worden, und will man gekaufte Ware vergleichen, so muß zudem berücksichtigt werden, daß die alten Maßangaben, wie etwa das Pfund, mit den heutigen Angaben keineswegs übereinstimmen. Auch haben die Fleischpreise, die ich für den Vergleich heranziehen will, heute für den Lebensstandard nicht mehr die Bedeutung wie in früheren Jahrhunderten.

Trotzdem habe ich, um wenigstens eine grobe Vorstellung von der Größe der Kaufkraft einzelner Geldangaben zu bekommen, Umrechnungszahlen angegeben. Ich stützte mich dabei auf die in der Ahnentafel FICKERT (DFA 46) vorgenommenen Untersuchungen über die Kaufkraft der Münzen im Marktgrafentum Bayreuth. Dort werden Durchschnittswerte angegeben, wieviel kg Rindfleisch man jeweils für 1 fl (Gulden) in Bayreuth, Hof, Wunsiedel und anderen Orten des Markgrafentums bekam. Mit Hilfe dieser 'Rindfleischkurve' habe ich auf der Basis von 1975, d.h. 1 kg Rindfleisch zum Preis von 15 DM, dann auf die Guldenwerte in DM übertragen.

Als Umrechnungstabelle für Taler, Gulden und Kreuzer ist angenommen:

 1 Taler = 90 Kreuzer

 1 Gulden = 60 Kreuzer

d.h. also 1 Taler = 1,5 Gulden, was in dieser Relation keineswegs immer gegolten hat. Damit ergibt sich die folgende Tabelle:

 Jahr Gegenwert für 1 fl Gegenwert 1975 für

          Rindfleisch  = 1 fl in DM

         1460 70,0 kg 1000,00 DM
         1500 40,0 kg 600,00 DM
         1550 18,0 kg 300,00 DM
         1600 13,0 kg 200,00 DM
         1622 1,5 kg 22,50 DM
         1650 15,0 kg 225,00 DM
         1700 9,0 kg 130,00 DM
         1750 7,0 kg 100,00 DM
         1790 5,0 kg 75,00 DM
         1800 3,0 kg 45,00 DM
         1820 5,0 kg 75,00 DM
         1850 4,0 kg 60,00 DM
         1865 2,5 kg 40,00 DM

Für den Zeitraum von 1460 bis 1600 ergibt sich durch das Absinken der Kaufkraft des Guldens von 70 Kg auf 13 Kg eine Inflationsrate von 2% pro Jahr. Einen besonders starken Einbruch stellt die Geldabwertung zu Beginn des 30jährigen Krieges dar, wo in wenigen Jahren die Kaufkraft auf den zehnten Teil abfällt, während von der 1622 erfolgten Münzreform ab bis 1800 die durchschnittliche Inflationsrate wiederum bei 2% pro Jahr liegt. Dann erhöht sich mit dem Anschluß an Bayern nach den Napolonischen Kriegen die Kaufkraft des Guldens sogar auf fast das Doppelte und sinkt 1820 bis 1865 wieder auf die Hälfte ab, was abermals einer Inflationsrate von 2% entspricht. Diese durchschnittlichen Preissteigerungsraten sagen natürlich nichts über einzelne Teuerungszeiten aus. So können durchaus mehrere Jahre mit der Inflationsrate 0 abwechseln mit Zeiten sehr starken Preisverfalls, wie es etwa das Jahrzehnt von 1790 bis 1800 darstellt, wo die Preise um rund 80% hinaus kletterten, d.h. etwa 8% pro Jahr.

Bei der Umstellung von Taler und Gulden auf die Markwährung im Deutschen Reich 1871 wurde der Taler zu 3 Mark, der Gulden zu 2 Mark umgerechnet. Deshalb bezeichneten auch unsere Großeltern das 3 Markstück vielfach noch als 'Taler'.

Bei der Währungsreform 1948 wurde die Reichsmark nochmals auf ihren zehnten Teil abgewertet. Von 1948 - 1968 betrug dann die durchschnittliche Preissteigerungsrate rund 2,5% seit 1968 liegt sie bei 5% im Jahr, so daß in den 25 Jahren von 1968 bis 1973 die DM fast um die Hälfte ihrer Kaufkraft eingebüßt hat, was ein wesentlich schnellerer Geldverfall als im Durchschnitt in früheren Jahrhunderten ist.

Im Vergleich 'Goldmark von 1871' zur 'Deutschen Mark von 1975' ergäbe sich nun, daß wir den Kaufwert der Goldmark mit etwa 15 DM gleichzusetzen hätten. Die Goldmark von 1914 allerdings wäre nur mit 8 DM umzurechnen, da ja von 1871 bis 1914 die Goldmark auch schon wieder an Kaufkraft verloren hatte. Und die Deutsche Mark von 1948 müßte heute mit mehr als 2 DM angesetzt werden.

Gerhard Vogt, Erlangen

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